Erstattung Rollstuhl

Wer aufgrund seines hohen Alters, einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr laufen kann, benötigt einen Rollstuhl, um sich fortzubewegen. Die Pflegeversicherung ist für die Erstattung eines Rollstuhls zuständig.

Menschen können aus unterschiedlichsten Gründen auf einen Rollstuhl angewiesen sein. Betroffen davon sind Personen jeden Alters, denn es sind keinesfalls ausschließlich alte Menschen, die sich mit einem Rollstuhl fortbewegen. Auch muss die Notwendigkeit, einen Rollstuhl anzuschaffen, keineswegs dauerhaft sein – oftmals sind es ein Unfall oder ein Beinbruch, die einen Rollstuhl für einige Zeit erforderlich machen. In anderen Fällen, z. B. bei degenerativen Erkrankungen oder einer körperlichen bzw. körperlich-geistigen Behinderung, sind die Betroffenen auf Dauer darauf angewiesen, sich mithilfe eines Rollstuhls fortzubewegen.

Rollstühle zählen zu den pflegerischen Hilfsmitteln, die aus medizinischer Sicht erforderlich sein können, damit die Betroffenen ihren Alltag weitgehend eigenständig gestalten können. Es handelt sich bei einem Rollstuhl insofern nicht um ein Therapiegerät, sondern um ein reines Fortbewegungsmittel.

Was für Rollstühle gibt es?

Es gibt verschiedene Rollstuhltypen, die sich sowohl in der Bauart als auch in der Art ihres Antriebs unterscheiden. Zwei verschiedene Rahmenbauweisen unterscheiden die verschiedenen Rollstühle beispielsweise darin, ob sie sich leicht auch im Auto mitnehmen lassen oder ob ein besonderes Fahrzeug benötigt wird, um den Rollstuhl bzw. den Rollstuhlfahrer über längere Strecken zu transportieren. Ein sogenannter Faltrollstuhl verfügt über einen faltbaren Rahmen und lässt sich flach zusammenklappen. So lässt sich ein solcher Rollstuhl zwar leichter im Auto verstauen, allerdings hat er auch weitaus schlechtere Fahreigenschaften als ein Rollstuhl mit starrem Rahmen, der eine verbesserte Kraftübertragung besitzt und somit ein dynamischeres Fahren ermöglicht.

Auch in der Antriebsweise unterscheiden sich die einzelnen Rollstuhltypen voneinander. Weithin bekannt sind u. a. die sogenannten Greifreifenrollstühle, mit denen sich ein Rollstuhlfahrer durch Handantrieb selbstständig fortbewegen kann. Diese Rollstühle gibt es in spezieller Anfertigung auch für den einhändigen Antrieb. Ebenfalls sehr verbreitet ist der Elektrorollstuhl, auch als E-Rollstuhl bezeichnet. Dieser wird mit einer Hand über einen Hebel bedient und ist sinnvoll vor allem für Menschen mit einer körperlichen Behinderung oder für Senioren, die nicht mehr die Kraft haben, sich selbstständig mit einem Greifreifenrollstuhl fortzubewegen. Über die Unterscheidung der Bauweise und des Antriebs hinaus wird bei Rollstühlen auch nach der Kassenleistung der Pflegeversicherung unterschieden. Ein sogenannter Standardrollstuhl beispielsweise besitzt nur eine Grundausstattung und ist nicht für die dauerhafte Benutzung gedacht. Individuell an die langfristige Nutzung angepasst werden können dagegen Adaptiv- bzw. Aktiv-Rollstühle.

Wie kann ein Rollstuhl beantragt werden?

Wie jedes andere Pflegehilfsmittel muss auch ein Rollstuhl bei der Pflegeversicherung beantragt werden. Die Beantragung ist in der Regel die Voraussetzung dafür, dass die Kosten für den Rollstuhl komplett oder anteilig übernommen werden. Für den Kostenträger, in diesem Fall die Pflegeversicherung, stellt eine Entscheidung über die Bewilligung eines Rollstuhls in den meisten Fällen eine Einzelfallentscheidung dar – je besser Sie sich auf den Antrag vorbereiten und diesen durch geeignete Dokumente untermauern, desto höher fallen in der Regel auch die Chancen aus, die Bewilligung und eine Kostenerstattung zu erhalten.

Die Pflegeversicherung ist dazu verpflichtet, einen Rollstuhl zur Verfügung zu stellen, der eine für den individuellen Krankheitsfall des Versicherungsnehmers notwendige medizinische Ausstattung besitzt. Darüber hinaus kann der Versicherungsnehmer weitere Ausstattungsmerkmale hinzufügen, deren Kosten er in der Regel jedoch selbst tragen muss.

Die wichtigste Voraussetzung für die Bewilligung eines Rollstuhls ist eine Verordnung des Hausarztes. Dieser legt im Hinblick auf die Krankengeschichte des Versicherungsnehmers fest, welcher Rollstuhltyp benötigt wird. Nachdem er im Fachhandel oder im Internet verschiedene Typen getestet hat, muss der Versicherungsnehmer den Rollstuhl mit der ärztlichen Verordnung sowie dem Kostenvoranschlag des Rollstuhls bei der Pflegeversicherung beantragen. Dabei muss die Beantragung eines Rollstuhls nicht zwingend mit einem Pflegegrad verbunden sein.

Wie erhält der Versicherungsnehmer seinen Rollstuhl?

Rollstühle werden in den meisten Fällen nicht selbst von den Pflegebedürftigen gekauft, sondern von der Pflegeversicherung als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Dabei hat der Versicherungsnehmer keinen Anspruch darauf, der erste Nutzer eines Gerätes zu sein; er kann auch einen gebrauchten Rollstuhl erhalten und ist verpflichtet, das zu nehmen, was ihm von der Pflegekasse angeboten wird. Die Pflegekasse greift dabei auf einen bundesweiten Hilfsmittelpool zurück oder hat einen eigenen Bestand an Rollstühlen.