Der Pflege-Anspruch – schnelle Hilfe bei Pflegebedürftigkeit erhalten

Wenn Sie in Deutschland leben und pflegebedürftig sind, haben Sie einen Pflege-Anspruch, falls Sie innerhalb der letzten zehn Jahre vor dem Eintreten der Pflegebedürftigkeit mindestens zwei Jahre pflegeversichert waren.

Dies gilt für Pflegeanträge, die nach dem 01.07.2008 gestellt werden. Der Pflegeanspruch ist im elften Buch des Sozialgesetzbuches verankert (SGB XI). Er muss demnach durch einen Antrag geltend gemacht werden, den Sie selbst oder eine von Ihnen bevollmächtigte Person stellen. Es ist sinnvoll, den Antrag schriftlich zu verfassen, damit es bei Verzögerungen im Laufe des Verfahrens eindeutig nachprüfbar ist, ab wann Ihr Anspruch besteht. Den Antrag reichen Sie bei Ihrer zuständigen Krankenversicherung ein. Dies gilt auch für privat versicherte Personen, die ebenfalls Pflege beantragen können. Wenn der Antrag bei der Krankenkasse eingegangen ist, hat diese fünf Wochen Zeit, den Pflege-Anspruch zu prüfen und Ihnen einen schriftlichen Bescheid zukommen zu lassen. Überschreitet die Krankenversicherung diese Frist aus Gründen, die sie selbst zu vertreten hat, erhalten Sie für jede angefangene Woche 70 Euro zum Ausgleich für Ihre Pflegebedürftigkeit. Diese Regelung gilt jedoch erst ab dem 01. Januar 2018, da den Versicherungen eine Übergangszeit nach einer Gesetzesänderung gewährt wurde. Es ist wichtig, Ihren Pflegebedarf so früh wie möglich zu beantragen, da die Leistungen nicht rückwirkend gewährt werden.

Gutachten durch den Krankenversicherer – Ihren Pflege-Anspruch geltend machen

Ein Gutachter des medizinischen Dienstes oder einer anderen unabhängigen Organisation besucht Sie nach der Antragstellung in Ihrem persönlichen Lebensumfeld. Er muss sich ein Bild von Ihrer Verfassung und Lebenssituation machen, um zu prüfen, ob Sie Pflege benötigen. Wenn er zu dem Ergebnis kommt, dass Sie den Pflegebedarf tatsächlich haben, stuft er Sie entsprechend Ihrer Lage in einen Pflegegrad ein. Der Pflegegrad bestimmt, wie hoch die bewilligten Leistungen sind. Der Gutachter beurteilt außerdem, ob die Pflege durch einen Angehörigen durchgeführt werden kann oder ein ambulanter Pflegedienst ins Haus kommen soll. Er empfiehlt auch die Maßnahmen, die durchgeführt werden sollen, um Ihren Pflegebedarf abzudecken. Falls Sie nach einem Krankenhausaufenthalt einen vollstationären Pflege-Anspruch haben, muss das Gutachten, innerhalb einer Woche nach Antragstellung, noch im Krankenhaus erfolgen. Seit dem 01. Januar 2017 sind die früheren Pflegestufen in fünf Pflegegrade umgewandelt worden. Um einen Anspruch zu begründen, müssen Sie nach den gesetzlichen Vorgaben pflegebedürftig sein. Dies sind Sie, wenn Sie eine gesundheitliche Belastung bzw. eine körperliche, geistige oder seelische Behinderung, die länger als sechs Wochen dauert, nicht selbstständig kompensieren können.

So wird Ihr Pflege-Anspruch überprüft – Kriterien für die Pflegebedürftigkeit

Beurteilt wird dabei zunächst, wie mobil Sie sind und ob sie sich selbstständig bewegen und fortbewegen können. Die Bewertung Ihrer Mobilität fließt zu zehn Prozent in die Entscheidung über Antrag ein. Ihre kommunikativen und kognitiven Fähigkeiten werden ebenfalls bewertet. Diese Einschätzung für den Anspruch betrifft beispielsweise die Leistungen des Gedächtnisses, das Orientierungsvermögen und den Einsatz der Willenskraft bei der Durchführung alltäglicher Verrichtungen. Außerdem ist für den Pflegegrad wichtig, inwiefern Sie mit der Außenwelt kommunizieren können. Demgegenüber werden Ihre Verhaltensweisen und psychische Problemstellungen geprüft. Es sind entweder die kommunikativen und kognitiven Fähigkeiten oder, wenn diese überwiegen, die Verhaltensweisen und psychischen Probleme, die bei der Einstufung für den Pflege-Anspruch einfließen. Sie machen fünfzehn Prozent aus. Erheblich höher bewertet wird die Fähigkeit zur Selbstversorgung, die den Pflegebedarf mit einer Gewichtung von vierzig Prozent bestimmt. Dabei geht es um die täglichen Alltagsangelegenheiten, etwa ob Sie Hilfe beim Waschen oder Duschen sowie An- und Auskleiden benötigen. Auch Handicaps bei der Nahrungsaufnahme und dem Toilettengang sind für Ihren Pflegebedarf bezüglich der Selbstversorgung von Bedeutung.

Ihre gegenwärtige Lage überschauen – was zählt noch für den Pflege-Anspruch?

Falls Sie Medikamente einnehmen müssen oder medizinische Anwendungen, wie Einreibungen, Verbände bzw. andere Therapien, wie einen Diätplan, benötigen, ist auch das für den Pflegeantrag wichtig. Können Sie dies nicht oder nur teilweise selbst handhaben, fließt die Pflegebedürftigkeit in diesem Bereich mit zwanzig Prozent bei der Entscheidung über Ihren Pflege-Anspruch ein. Fünfzehn Prozent der Beurteilung entfallen schließlich auf Ihre Einbindung in ein soziales Umfeld und die Fähigkeit, sich selbst eine Struktur bei der Alltagsgestaltung zu geben. Bei dieser Einschätzung zu Ihrer Pflegebedürftigkeit geht es beispielsweise darum, ob Sie Kontakte mit der Familie oder Freunden und Bekannten pflegen. Ebenso ist wichtig, ob Sie Besuche empfangen oder selbst an sozialen Treffen oder Veranstaltungen teilnehmen. Die Ergebnisse aus den Bewertungen werden dann zusammengefasst und ergeben gemeinsam die Grundlage für den Pflegegrad, der Ihren Pflege-Anspruch bestimmt.