Anspruch auf Pflegegeld

Hat eine pflegebedürftige Person einen anerkannten Pflegegrad, hat sie auch Anspruch auf Pflegegeld. Dies umfasst monatliche Geldzahlungen sowie weitere Leistungen der Pflegeversicherung.

Der Anspruch auf Pflegeleistungen ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Möglich macht dies die sogenannte Versicherungspflicht, die nicht nur die Krankenversicherung, sondern auch die Pflegeversicherung umfasst. Wer also in die Pflegeversicherung eingezahlt hat, besitzt im Falle einer Pflegebedürftigkeit einen gesetzlichen Anspruch auf Pflegeleistungen und somit auch Pflegegeld, allerdings müssen für die Bewilligung durch die Pflegekasse bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

Wer hat Anspruch auf Pflegegeld?

Wer pflegebedürftig wird und aufgrund von körperlichen, kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen auf Pflege durch andere Personen angewiesen ist, kann weitgehend selbst darüber bestimmen, wie und in welchem Umfeld er gepflegt und betreut werden möchte. Das Pflegegeld ist eine Leistung der Pflegeversicherung, die im Falle einer ambulanten Versorgung eines pflegebedürftigen Versicherungsnehmers zum Einsatz kommt. Unter ambulanter Pflege versteht man, dass der Pflegebedürftige trotz eines hohen Alters, einer körperlichen Erkrankung oder einer kognitiven Beeinträchtigung, das oder die eine tägliche Pflege erfordert, weiterhin zuhause oder in einem häuslichen Umfeld leben kann und dort versorgt wird.

Der Anspruch auf Pflegegeld ist an die Einstufung in einen sogenannten Pflegegrad gebunden. Entsprechend einer gesetzlichen Regelung, die seit dem 1. Januar 2017 in Kraft ist, teilt die Pflegeversicherung die Betroffenen in insgesamt fünf Stufen der Pflegebedürftigkeit ein, für die sie jeweils einen Pflegegrad vergibt. Wer bei sich selbst oder bei einem Angehörigen einen regelmäßigen Pflegebedarf aufgrund einer sich verringernden Selbstständigkeit feststellt, kann bei der Pflegeversicherung einen Antrag auf einen Pflegegrad stellen und eine Einstufung beantragen. Diese Einstufung erfolgt auf der Grundlage eines Pflegegutachtens, das die Pflegeversicherung bei einem unabhängigen Unternehmen, z. B. dem Medizinischen Dienst der Krankenkasse oder der Medicproof GmbH, in Auftrag gibt. Anhand von insgesamt sechs Kategorien überprüft der Gutachter die Selbstständigkeit des Antragstellers und ermittelt den tatsächlichen Pflegebedarf – das Pflegegutachten hilft der Pflegekasse, den Antragsteller in den richtigen Pflegegrad einzustufen. Sobald einem pflegebedürftigen Versicherungsnehmer einer der Pflegegrade 1 bis 5 zuerkannt worden ist, hat dieser automatisch Anspruch auf Pflegegeld – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass er zuhause von einer nicht professionellen Pflegekraft gepflegt wird.

Welche Leistungen deckt das Pflegegeld ab?

Ein monatliches Pflegegeld wird dann von der Pflegeversicherung gezahlt, wenn eine pflegebedürftige Person in einem häuslichen Umfeld von einer privaten Pflegeperson betreut wird. Möglich ist in diesem Zusammenhang die Unterbringung im eigenen Zuhause, bei nahen Angehörigen oder Verwandten sowie in einer Pflege-WG. Viele pflegebedürftige Personen sind glücklicher, wenn sie noch einen weitgehend selbstbestimmten Alltag führen können, und nicht auf eine vollstationäre Versorgung in einem Pflegeheim oder einer speziellen Einrichtung für Pflegebedürftige angewiesen sind. Die Pflege und Betreuung der pflegebedürftigen Versicherungsnehmer kann in einem häuslichen Umfeld durch einen Pflegedienst oder aber durch eine Pflegeperson übernommen werden.

Um Pflegegeld zu erhalten, muss die Pflege durch eine Pflegeperson sichergestellt werden, die die Pflege nicht beruflich ausübt. Das kann ein direkter Angehöriger oder ein naher Verwandter, aber auch ein Freund oder Bekannter sein. Je nachdem, welchen Pflegegrad der Pflegebedürftige besitzt, variiert die Höhe des Pflegegelds, und auch wenn beispielsweise sogenannte Kombinationsleistungen in Anspruch genommen werden, die die Pflege durch Angehörige mit der Pflege durch einen Pflegedienst verbindet, werden nur anteilige Sätze des zur Verfügung stehenden Pflegegelds ausgezahlt.

Das Pflegegeld wird als eine Leistung der Pflegeversicherung verstanden, die einem pflegebedürftigen Versicherungsnehmer für „selbst beschaffte Hilfen“ zur Verfügung gestellt wird. Sie soll dazu dienen, Pflegedienste und stationäre Pflegeeinrichtungen zu entlasten und gibt einem Pflegebedürftigen die Möglichkeit, den Aufwand und Einsatz eines pflegenden Angehörigen oder Freundes mit einer finanziellen Anerkennung abzugelten. Wie das Pflegegeld dabei im Einzelnen eingesetzt wird, bleibt dem Pflegebedürftigen überlassen.

Wie hoch sind die Pflegeleistungen, die pro Monat ausgezahlt werden?

Der Anspruch einer pflegebedürftigen Person wird dann von der Pflegeversicherung eingelöst, wenn im Wesentlichen zwei Voraussetzungen erfüllt sind: Zum einen muss der Pflegebedürftige bereits einen anerkannten Pflegegrad besitzen, zum anderen muss er in einem häuslichen Umfeld von Angehörigen oder Freunden gepflegt und betreut werden, die seine Pflege nicht erwerbsmäßig durchführen.

Die Höhe des Pflegegelds richtet sich, sobald diese Voraussetzungen erfüllt sind, nach dem anerkannten Pflegegrad und danach, ob der Pflegebedürftige ausschließlich das Pflegegeld in Anspruch nehmen möchte oder ob es sich um sogenannte Kombinationsleistungen handelt. Die Zahlung geht dabei direkt an den pflegebedürftigen Versicherungsnehmer, der selbst bestimmen kann, wie er den Betrag einsetzen möchte.

Pflegebedürftige mit dem Pflegegrad 1 erhalten kein monatliches Pflegegeld.

Folgende Beträge werden ab dem Pflegegrad 2 maximal pro Monat ausgezahlt:

  • Pflegegrad 2 (Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit): 316 Euro
  • Pflegegrad 3 (Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit): 545 Euro
  • Pflegegrad 4 (Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit): 728 Euro
  • Pflegegrad 5 (Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung): 901 Euro

Viele Pflegepersonen können den gesamten Umfang der Pflege nicht immer leisten, weshalb die Pflegeversicherungen neben dem Pflegegeld auch sogenannte Kombinationsleistungen anbieten. Diese ermöglichen eine Kombination aus häuslicher Pflege durch einen Angehörigen sowie Pflegehandlungen, die durch einen professionellen Pflegedienst übernommen werden. In diesem Fall errechnet die Pflegeversicherung zunächst die Kosten für die Pflegesachleistungen. Werden diese nicht vollständig ausgeschöpft, kann der verbleibende Anteil auf das Pflegegeld umgelegt werden, sodass der Pflegebedürftige zusätzlich zu den Pflegesachleistungen auch ein anteiliges Pflegegeld erhält.

Was gilt es beim Pflegegeld zu beachten?

Wer für die Pflege eines pflegebedürftigen Angehörigen ausschließlich Pflegegeld in Anspruch nimmt und auf die Unterstützung durch einen professionellen Pflegedienst verzichtet, hat einerseits Anspruch auf kostenlose Beratung, andererseits aber auch die Pflicht, regelmäßige Beratungstermine wahrzunehmen. Beratungsstellen und Pflegestützpunkte bieten beispielsweise Beratungen und Schulungen für Pflegepersonen an, die die Pflege eines Angehörigen oder Freundes übernehmen, selbst aber keinerlei Erfahrung in der Pflege haben und nicht mit den Anforderungen vertraut sind.

Mindestens ein Mal im Jahr müssen pflegende Angehörige zudem einen Besuch durch eine professionelle Pflegekraft wahrnehmen, die überprüft, ob die Pflege im Interesse der pflegebedürftigen Person sichergestellt wird und die Pflegeperson dahingehend berät, wie die Pflege durchzuführen ist oder ob es sich lohnt, einen Antrag auf Höherstufung bei der Pflegeversicherung zu stellen, weil sich der Gesundheitszustand des pflegebedürftigen Versicherungsnehmers verschlechtert hat.