Pflegeantrag

Um einen Pflegegrad zu erhalten, müssen Pflegebedürftige zunächst einen Pflegeantrag stellen. Neben dem Antrag selbst gilt es auch, sich gut auf den Begutachtungstermin der Pflegeversicherung vorzubereiten.

Wird eine Person pflegebedürftig, sei es durch eine Erkrankung, einen Unfall oder fortschreitendes Alter, das u. U. mit einer Demenzerkrankung verbunden ist, sollte schnell gehandelt werden. Um die hohen Kosten für die Pflege und Betreuung pflegebedürftiger Versicherungsnehmer aufzufangen, kann bei der Pflegeversicherung eine finanzielle Förderung beantragt werden. Dafür ist ein sogenannter Pflegeantrag notwendig, und dieser sollte frühzeitig gestellt werden – denn Leistungen aus der Pflegeversicherung werden nicht rückwirkend zum Beginn der Erkrankung oder der kognitiven Beeinträchtigung, die ausschlaggebend für die Pflegebedürftigkeit ist, vergeben, sondern maximal rückwirkend zum Zeitpunkt der Antragstellung. Um die richtige Förderung zu erhalten, gilt es deshalb schnell zu handeln.

Wird ein Antrag auf Pflegebedürftigkeit gestellt, sind einige Punkte zu beachten. So werden z. B. nur dann Pflegeleistungen ausgezahlt, wenn die Pflegebedürftigkeit durch ein Gutachten überprüft und bestätigt worden ist. Außerdem muss der Zustand der Pflegebedürftigkeit dauerhaft sein, d. h. nach dem Gesetz über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten oder länger bestehen.

Was muss der Pflegeantrag enthalten und an wen ist er zu richten?

In Deutschland gibt es, ebenso wie im Bereich der Krankenversicherungen, viele verschiedene Pflegeversicherungen. In der Regel sind diese an die Krankenkasse angeschlossen, bei der eine pflegebedürftige Person versichert ist. Wer gesetzlich krankenversichert ist, zahlt automatisch in die Pflegeversicherung ein, denn diese gehört zu den Versicherungen, für die in Deutschland eine Pflicht besteht. Privat Krankenversicherte haben in der Regel eine private Pflegeversicherung, die häufig ebenfalls mit der Krankenkasse zusammenarbeitet. Der Pflegeantrag kann direkt an die Pflegeversicherung gerichtet werden, aber auch an die zuständige Krankenkasse, die das Schreiben dann an die entsprechende Pflegekasse weiterleitet.

Um den Pflegeantrag richtig zu stellen, muss noch nicht viel beachtet werden, denn der Antrag kann formlos gestellt werden. Ein einfaches Schreiben mit der Bitte um Einstufung in einen Pflegegrad bzw. die Überprüfung der Pflegebedürftigkeit genügt; der Antrag kann auch per Email oder sogar telefonisch gestellt werden. Um nachweisen zu können, dass er tatsächlich gestellt wurde, sollte allerdings der schriftliche Weg bevorzugt werden. Einige Pflegekassen schicken dem Antragsteller danach ein Formular zu, das ausgefüllt werden muss, um den nächsten Schritt einzuleiten.

Bei der Antragstellung ist zu beachten, dass der Pflegeantrag von der pflegebedürftigen Person selbst gestellt werden muss. Ein Vertreter, z. B. ein pflegender Angehöriger, ist nur dann berechtigt, wenn der Pflegebedürftige nicht in der Lage ist, den Antrag selbst zu stellen, und wenn eine Vollmacht vorliegt.

Das Pflegegutachten als Grundlage der Einstufung in einen Pflegegrad

Die Pflegeversicherung bewilligt einen Pflegeantrag natürlich nicht allein auf der Grundlage des Antrags selbst. Bevor ein Pflegegrad bewilligt wird, lässt die Pflegeversicherung zunächst ein Gutachten über den tatsächlichen Pflegebedarf erstellen. Hierzu stattet der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) dem Antragsteller einen Hausbesuch ab, bei dem er nach dem Verfahren des „Neuen Begutachtungsassessments“ (NBA) überprüft, wie selbstständig der Pflegebedürftige ist und in welchen Bereichen er auf Pflege und Betreuung angewiesen ist.

Zur Vorbereitung auf den MDK-Besuch empfiehlt es sich, ein sogenanntes Pflegetagebuch zu führen. Es ist der wohl wichtigste Nachweis des täglichen Pflegebedarfs, denn hier kann ein pflegender Angehöriger oder ein Pflegeberater detailliert festhalten, bei welchen alltäglichen Verrichtungen der Pflegebedürftige auf Hilfe angewiesen ist, wie lange die Hilfe in Anspruch nimmt und wie oft am Tag sie geleistet werden muss. Die Kriterien, die der MDK-Gutachter bei seinem Besuch abfragt, umfassen die Körperpflege, die Ernährung und die Mobilität, sowie sprachliche und kognitive Fähigkeiten, den selbstständigen Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen und die Gestaltung des sozialen Alltagslebens.

Der Pflegebescheid

Im Anschluss an das Pflegegutachten, in der Regel maximal fünf Wochen nach der Antragstellung, erhält der Pflegebedürftige einen Bescheid der Pflegeversicherung. Dieser kann eine Einstufung in einen der fünf Pflegegrade enthalten, es kann jedoch auch vorkommen, dass der Antrag auf Pflegebedürftigkeit vollständig abgelehnt wird. Wurde der Pflegeantrag abgelehnt, oder hat eine zu niedrige Einstufung stattgefunden, die Pflegebedürftigkeit ist aber eindeutig gegeben, hat der Antragsteller mehrere Möglichkeiten: Er kann Widerspruch gegen den Bescheid einlegen und so ein neues Gutachten erwirken. Alternativ kann er einen Folgenantrag auf Höherstufung stellen, der ebenfalls ein neues Gutachten nach sich zieht.