Verhinderungspflege

Die Verhinderungspflege ermöglicht pflegenden Angehörigen, private Termine, Krankenhausaufenthalte oder einen Urlaub wahrzunehmen. Für bis zu sechs Wochen pro Jahr übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten für die Ersatzpflege.

Pflegende Angehörige leisten einen wichtigen Beitrag zur Pflegesituation in Deutschland. Nur durch ihren Einsatz ist es möglich, dass ein großer Teil der pflegebedürftigen Versicherungsnehmer zu Hause oder in einem vergleichbaren häuslichen Umfeld betreut werden kann. Trotzdem und gerade wegen der hohen Anforderungen, denen sie sich im Alltag mit einer pflegebedürftigen Person gegenübersehen, kann auch ein Familienmitglied, das die Pflege übernommen hat, nicht 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen.

Sind pflegende Angehörige aus bestimmten Gründen nicht in der Lage, die Pflege für einen oder mehrere Tage auszuführen, können sie durch einen Pflegedienst entlastet werden, der sie in diesem Zeitraum vertritt. Das nennt man Verhinderungspflege: Ist die Pflegeperson verhindert, springt ein Pflegedienst ein.

Was genau versteht man unter dem Begriff Verhinderungspflege?

Fällt ein pflegender Angehöriger für einen kurzen Zeitraum aus und kann die Pflege, die er übernommen hat, nicht gewährleisten, wird er durch einen Pflegedienst vertreten. Diese sogenannte „häusliche Pflege bei Verhinderung der Pflege“ (§39 SGB XI) fängt einen vorübergehenden Zeitraum auf, während dem eine private Pflegeperson nicht zur Verfügung stehen kann. Sie kann für maximal sechs Wochen, also 42 Kalendertage, in Anspruch genommen werden. Die Pflegeversicherung trägt in dieser Zeit die Kosten für die Betreuung und Pflege durch einen Pflegedienst oder eine andere erwerbsmäßig tätige Pflegeperson.

Zwei Voraussetzungen allerdings müssen erfüllt sein, damit die Verhinderungspflege von der Pflegekasse übernommen wird. Zum einen muss die Pflegeperson, die verhindert ist, ihren pflegebedürftigen Angehörigen schon seit mindestens sechs Monaten in einem häuslichen Umfeld versorgen. Die Pflegeperson, die die Verhinderungspflege durchführt, darf zum anderen nicht bis zum zweiten Grad mit dem Pflegebedürftigen verwandt oder verschwägert sein.

Die Verhinderungspflege kann natürlich auch von einem näherstehenden Verwandten übernommen werden. In diesem Fall wird allerdings ein verringerter Leistungssatz ausgezahlt. Die Auszahlung richtet sich nach dem jeweiligen Pflegegrad des Pflegebedürftigen und beträgt das 1,5-fache des monatlichen Pflegegelds. Im Pflegegrad 2 werden somit 474 Euro für den maximal sechs Wochen umfassenden Zeitraum gerechnet, im Pflegegrad 5 sind es 1.351,50 Euro.

Das muss ich über die Verhinderungspflege wissen?

Damit ein Anspruch auf Verhinderungspflege geltend gemacht werden kann, muss die pflegebedürftige Person, wie oben beschrieben, von einer privaten Pflegeperson versorgt und betreut werden. Sie darf also keine Pflegesachleistungen erhalten, die durch einen professionellen Pflegedienst erbracht werden, sondern muss sich für das monatliche Pflegegeld und die Versorgung durch einen Angehörigen oder Bekannten entschieden haben.

Das monatliche Pflegegeld, das dem Pflegebedürftigen entsprechend seinem anerkannten Pflegegrad zusteht, wird für den Zeitraum der Verhinderungspflege zu 50% weitergezahlt. Benötigt eine private Pflegeperson auch über den Zeitraum der Verhinderungspflege hinaus eine Vertretung, kann die Verhinderungspflege mit dem Anspruch auf Kurzzeitpflege kombiniert werden, vorausgesetzt diese wurde im laufenden Kalenderjahr noch nicht vollständig ausgeschöpft. Das Maximum beträgt jedoch die Hälfte der Leistungen der Kurzzeitpflege.

Wer hat Anspruch auf Verhinderungspflege und wann sollte sie beantragt werden?

Eine wichtige Voraussetzung für den Erhalt von Leistungen der Verhinderungspflege ist, dass der pflegebedürftige Versicherungsnehmer einen anerkannten Pflegegrad der Stufe 2 bis 5 vorweisen kann. Im Pflegegrad 1 besteht kein Anspruch auf die Verhinderungspflege – eventuelle Ausfallzeiten der Pflegeperson können hier aber mit dem monatlichen Entlastungsbeitrag zumindest teilweise aufgefangen werden.

Um die Leistungen zu erhalten, muss jedoch ein „Antrag auf Leistungen der Pflegekasse bei Verhinderung einer Pflegeperson“ bei der Pflegeversicherung gestellt werden. Alternativ kann der Antrag in der Regel auch bei der Krankenkasse eingereicht werden. Um die finanzielle Unterstützung zeitnah zu erhalten, ist es sinnvoll, den Antrag schon im Vorfeld des Verhinderungszeitraums zu stellen. Doch auch bei einem nachträglich gestellten Antrag ist die Pflegeversicherung, sofern Anspruch besteht, in der Pflicht, das Geld auch im Nachhinein auszuzahlen.

In der Regel fordert die Pflegeversicherung die Zusendung sämtlicher Quittungen und Rechnungen ein, die im Zusammenhang mit der Verhinderungspflege entstanden sind. Vor allem die Rechnungen des professionellen Pflegedienstes, der die Pflege für den betreffenden Zeitraum übernommen hat, sind ausschlaggebend für die Auszahlung der Leistungen. Es ist sinnvoll, ein zusätzliches Abrechnungsformular beizulegen, auf dem die Kosten noch einmal aufgeführt sind – ein solches wird von der Pflegeversicherung auf Nachfrage oder online zur Verfügung gestellt.

Welche Informationen muss der Antrag auf Verhinderungspflege enthalten?

Bei vielen Versicherungen ist ein vorgeschriebenes Formular für die Beantragung der Verhinderungspflege erhältlich; es kann jedoch auch ein formloser Antrag gestellt werden. Folgende Informationen müssen im Antrag enthalten sein, um den Anspruch auf die entsprechenden Leistungen geltend zu machen:

  • das Datum, an dem die häusliche Pflege durch die private Pflegeperson begonnen hat
  • der Zeitraum, in dem die Verhinderungspflege voraussichtlich erfolgen wird
  • Handelt es sich um eine ganztägige (8 Stunden und mehr) oder eine stundenweise Pflege?
  • Wer übernimmt die Verhinderungspflege?
  • In welchem Verhältnis steht die vertretende Pflegeperson zu dem Pflegebedürftigen?
  • Lebt die vertretende Pflegeperson im Haushalt des Pflegebedürftigen?
  • Soll der Anspruch auf Kurzzeitpflege ebenfalls mit in die Verhinderungspflege einfließen?

Kann die Verhinderungspflege auch stundenweise erfolgen?

Nicht immer nimmt eine Verhinderung einen ganzen Tag in Anspruch, z. B. wenn die Pflegeperson einen Arzttermin wahrnimmt oder einen Abend im Kino oder Theater verbringt, der Pflegebedürftige aber nicht allein bleiben kann. In solchen Fällen ist eine stundenweise Verhinderungspflege möglich. Um die Abrechnung mit der Pflegekasse zu erleichtern, sollten bereits im Vorfeld Absprachen mit der Pflegeversicherung getroffen werden. Überschreitet die Verhinderungspflege einen Zeitraum von acht Stunden an weniger als zwei Tagen nicht, findet zudem keine Kürzung des Pflegegelds statt.